Wie reden wir über Zukunft, wenn wir sie nicht nur beschreiben, sondern sehen können? Wenn wir nicht nur argumentieren, sondern empfinden, wie ein Ort sich anfühlen könnte? Genau darum ging es mir bei diesem kleinen Was-wäre-wenn-Experiment zum Baakenhöft in der Hamburger HafenCity. Der Anlass war der frisch verkündete Siegerentwurf für die neue Oper – ein Großprojekt, das viele politische, kulturelle und finanzielle Fragen mit sich bringt. Für mich war das aber vor allem eine Gelegenheit, etwas auszuprobieren: Wie lassen sich alternative Zukünfte erlebbar machen, bevor wir sie beurteilen? Und wie verändern sich Debatten, wenn wir zunächst wahrnehmen dürfen, wie etwas wirken könnte, statt nur darüber zu sprechen, ob es machbar ist?

KI-generiertes Zukunftsbild eines großen öffentlichen Freibads auf dem Baakenhöft in der Hamburger HafenCity. Das Bild zeigt mehrere Wasserbecken, Stege und Aufenthaltsbereiche direkt am Elbufer als spekulative Vision für alternative Stadtentwicklung.
Dafür habe ich fünf visuelle Szenarien erzeugt – nicht als Architekturkritik, sondern als Zukunftsfühler. KI-generierte Bilder, die mit einem einzigen Klick ermöglichen, in mögliche Realitäten hineinzuspüren. Ein öffentliches Elbe-Freibad etwa, das direkt am Wasser liegt und den Ort in einen lauten, lebendigen, offenen Treffpunkt verwandelt. Oder ein Baakenhöft, das sich in eine große Open-Air-Fläche verwandelt und das Gefühl eines Sommerkinos an der Elbe vermittelt. Ebenso ein Stadtwald, der dicht, kühl und leise ist und in dem ein orangefarbener Aussichtsturm auftaucht wie eine kleine Landmarke. Ein Stadtsee mit Spielplatz und Skateelementen, ganz ohne Konsumlogik, der sich nach einem Ort anfühlt, an dem Nachbarschaft stattfindet. Oder eine naturnahe Adventure-Golf-Landschaft – einfach, verspielt, zugänglich, ein Ort, der Freude auslöst, ohne dass er eine große Begründung benötigt.

Diese Bilder sind keine Vorschläge, sie sind Fragen. Sie laden dazu ein, zu erspüren, wie sich Zukunft an einem Ort anfühlen könnte. Für mich ist das ein zentraler Teil meiner Arbeit: Zukünfte nicht nur denken, sondern erleben zu lassen. Denn sobald Menschen spüren, wie ein Ort wirken könnte – lebendig oder ruhig, offen oder exklusiv, experimentell oder vertraut – verschieben sich die Gespräche. Man redet anders über Zukunft, wenn sie im Bild plötzlich existiert. Man nimmt anders wahr, was möglich ist. Und man merkt, wie sehr Zukunftsgestaltung immer auch Emotionalität, Atmosphäre und Imagination braucht.

Was-wäre-wenn-Bilder ermöglichen genau das. Sie schaffen einen Resonanzraum, in dem Zukunft nicht abstrakt bleibt, sondern eine sinnliche Qualität bekommt: Farben, Licht, Texturen, Körperlichkeit. Sie machen Zukunft erfahrbar, bevor sie real ist. Und genau darin liegt die Kraft: Nicht, weil es diese fünf Entwürfe jemals geben muss, sondern weil sie uns daran erinnern, dass Zukunft immer auch eine Frage der Vorstellungskraft ist. Und dass es Werkzeuge braucht, die diese Vorstellungskraft aktivieren.

Für mich ist dieses kleine Experiment deshalb weniger ein Beitrag zur Operndebatte als eine Einladung, Zukunft anders zu betrachten: nicht als Planungsdokument, sondern als Möglichkeit, die man fühlen kann. Wenn wir lernen, mit visuellen Spekulationen zu arbeiten, öffnen wir Räume, in denen Menschen emotional an Zukünften teilhaben können – und das ist oft die Voraussetzung dafür, überhaupt ins Gestalten zu kommen.