Die Zukunft der Kreativwirtschaft war das Thema eines Workshops, den Magdalena Vollmer und ich im Rahmen der Creative Business Academy mit rund 25 Kreativschaffenden durchgeführt habe. Ziel war es, in kurzer Zeit ein möglichst differenziertes Bild zu entwickeln, welche Chancen und Risiken sich für die Branche abzeichnen – und wie sich diese Erkenntnisse zu einer gemeinsamen Future Map verdichten lassen.
Die Herausforderung: In sechs parallelen Arbeitsgruppen entstehen viele Impulse, Post-its und Ideen. Normalerweise ist es kaum möglich, diese Vielfalt während des Workshops so schnell zusammenzuführen, dass sie für den weiteren Prozess nutzbar bleibt. Genau hier haben wir KI eingesetzt.
Der Ablauf war so gestaltet, dass wir in Pausen oder Zwischenphasen die analogen Ergebnisse – Post-its, Clusterungen, kurze Notizen – abfotografiert haben. Diese Fotos haben wir mit ChatGPT (damals Modell 4.1o) transkribieren lassen. Damit das zuverlässig funktioniert, haben wir auf ein paar Regeln geachtet:
-
maximal 20 Post-its pro Bild, damit die KI den Überblick behält
-
klare Farb-Codierung: grün = Chance, gelb = Risiko, pink = „beides möglich“
-
dicke Stifte statt Kugelschreiber, damit die Schrift eindeutig erkennbar ist
-
präzise Instruktionen: wenn ein Wort nicht lesbar ist, sollte die KI es nicht erfinden, sondern die Position des Post-its markieren
Auf diese Weise entstand nach jeder Arbeitsphase ein Zwischenergebnis, das wir wiederum in die Diskussion zurückspiegeln konnten. Die KI half uns dabei, Muster und Überschneidungen zu erkennen, ohne dass wir in der Moderation die gesamte Zeit in Dokumentation investieren mussten.
Am Ende des Tages war es genau diese Kombination aus analoger Gruppenarbeit und digitaler Mustererkennung, die uns ermöglicht hat, eine Future Map der Kreativwirtschaft in einem einzigen Workshoptag aufzubauen. Die Teilnehmenden hatten dadurch das Gefühl, dass ihre Beiträge nicht nur gesammelt, sondern systematisch verdichtet wurden. KI diente hier nicht als Ersatz für Kreativität, sondern als Verstärker kollektiver Intelligenz.
Mein Fazit: KI kann in Workshops mehr sein als ein Gimmick. Wenn sie bewusst eingebunden wird, unterstützt sie die Moderation, schafft Transparenz und eröffnet Möglichkeiten, die analoge Methoden allein nicht leisten könnten.